Die Füchse Berlin Frauen stehen im Viertelfinale des DHB-Pokals. In einem hochspannenden Achtelfinale setzten sich die Hauptstädterinnen beim Ligakonkurrenten HC Rödertal mit 30:31 (16:14) durch. Dabei liefen die Berlinerinnen rund 45 Minuten einem Rückstand hinterher, ehe sie die Partie mit großer Moral drehten und den knappen Vorsprung in einer dramatischen Schlussphase über die Zeit brachten. Für die Füchse ist es die erste Viertelfinal-Teilnahme seit der Saison 2014/15.
Dabei musste Füchse-Trainerin Susann Müller noch immer auf die verletzten Lucy Gündel, Britt van der Baan und Angela Cappellaro verzichten. Dafür standen mit Taya Nagel und Mercy Hacker zwei Jungfüchsinnen im Kader. Mit der Norwegerin Sara Rønningen war zudem ein neues Gesicht im Aufgebot der Berlinerinnen.
Die Rödertalbienen starteten vor knapp 500 Zuschauern in der Sporthalle Großröhrsdorf stark in die Partie und gingen mit 1:0 in Führung. Anouk Nieuwenweg hatte jedoch die schnelle Antwort parat und erzielte den ersten Berliner Treffer zum 1:1. Eine frühe Überzahlphase in der vierten Minute konnten die Füchse nicht nutzen, sodass die Gastgeberinnen zunächst mit 3:2 vorne blieben. In der 8. Minute traf Leoni Baßiner mit einem sehenswerten Schlagwurf zum 4:3, ehe Anouk Nieuwenweg mit ihrem bereits dritten Treffer in der 15. Minute auf 6:5 verkürzte. Rödertals Trainerin Maike Daniels reagierte mit einer Auszeit, nach der sich die Gastgeberinnen erstmals einen Zwei-Tore-Vorsprung erspielten. Dieses Bild prägte die folgenden Minuten: Rödertal legte vor, Berlin blieb dran und verkürzte immer wieder auf einen Treffer. Naomi Conze sorgte mit einem Doppelpack sowohl für das 9:8 als auch für das 10:9. In der 24. Minute nahm auch Füchse-Trainerin Susann Müller ihre erste Auszeit. Die Maßnahme zeigte sofort Wirkung: Im anschließenden Angriff erzielte Naomi Conze mit ihrem fünften Treffer den 12:12 Ausgleich. Doch Unachtsamkeiten und Fehler im Berliner Angriff ermöglichten es den Gastgeberinnen, sich erneut abzusetzen. Rödertal zog auf 16:13 davon, ehe einmal mehr Naomi Conze 30 Sekunden vor der Pause zum 16:14 Halbzeitstand traf.
Zu Beginn des zweiten Durchgangs waren die Füchse erneut in Überzahl, nachdem Naomi Conze nur regelwidrig gestoppt werden konnte. Doch auch diesmal konnten die Gäste die numerische Überlegenheit nicht nutzen und lagen beim 17:15 weiterhin mit zwei Treffern zurück. Nach einer Parade von Torhüterin Danique Trooster war es Naomi Conze, die erneut zum 17:17 ausglich. Rödertal ließ sich davon zunächst nicht beeindrucken und stellte in der 37. Minute beim 19:17 den alten Abstand wieder her. Dann schlug die Stunde der Berliner Nachwuchsspielerinnen. Die erst 15-jährige Taya Nagel, die mittlerweile für Anaïs Gouveia auf der rechten Außenbahn ins Spiel gekommen war, erzielte in der 42. Minute den umjubelten Treffer zum 22:22. Auch im Tor hatte Susann Müller gewechselt: Dort stand nun die 16-jährige Mercy Hacker zwischen den Pfosten. Beim Stand von 23:22 nahm Müller in der 44. Minute ihre nächste Auszeit. Jonna Schaube sorgte im folgenden Angriff für den 23:23 Ausgleich – und wenig später kippte die Partie endgültig. In der 45. Minute brachte Naomi Conze die Füchse mit ihrem zehnten Treffer erstmals an diesem Abend in Führung. Michelle Stefes und Taya Nagel legten nach und plötzlich stand es 23:26 für Berlin. Rödertal reagierte zwölf Minuten vor dem Ende mit einer Auszeit. Nach einer rund sechsminütigen Torflaute gelang den Gastgeberinnen schließlich der Treffer zum 24:27. Anouk Nieuwenweg antwortete per Siebenmeter zum 25:28. Doch entschieden war die Partie noch lange nicht. Rödertal kämpfte sich zurück und verkürzte in der 56. Minute auf 28:29. Die Zuschauer bekamen nun einen echten Pokalkrimi geboten. 80 Sekunden vor dem Ende erzielte Michelle Stefes das wichtige 29:31. Rödertal nahm die letzte Auszeit und kam anschließend nach einem für die Berliner Abwehr unglücklichen Abpraller noch einmal auf 30:31 heran.
Berlin vergab im folgenden Angriff die Chance zur Entscheidung und brachte die Bienen damit noch einmal in Ballbesitz. Doch die Füchse Abwehr hielt dem letzten Angriff stand und ließ keinen weiteren Gegentreffer zu. Danach kannte der Jubel keine Grenzen: Mit dem 30:31-Auswärtssieg sicherten sich die Berlinerinnen den Einzug ins Viertelfinale des DHB-Pokals.
„Das war ein sehr aufregendes und spannendes Spiel. Die erste Halbzeit verlief nicht optimal, weil wir einfache Fehler gemacht haben und dadurch immer ein paar Tore hinten lagen,“ sagte Top Torschützin Naomi Conze nach der Partie. „Dann sind wir aber aus der Halbzeit gut gestartet, ruhig geblieben und haben unsere spätere Führung nicht mehr hergegeben. Wir freuen uns, dass wir eine Runde weiter sind.“
Auch Trainerin Susann Müller zeigte sich nach dem Pokalkrimi stolz auf ihr Team: „Das war heute richtig gute Werbung für den Frauenhandball. Am Ende hat ein einziges Tor entschieden. Ich bin sehr happy und stolz darauf, wie sich meine Mannschaft trotz der Rückstände immer wieder zurück ins Spiel gekämpft hat. Wir sind ruhig geblieben, haben an uns geglaubt und uns für diesen Kampf belohnt. Jetzt freuen wir uns riesig über den Einzug ins Viertelfinale.“
Damit stehen die Füchse Berlin erstmals seit der Saison 2014/15 wieder im Viertelfinale des DHB-Pokals. Als mögliche Gegner bei der Auslosung am kommenden Mittwoch warten neben Zweitligist Solingen-Gräfrath und Titelverteidiger Borussia Dortmund noch die weiteren Erstligisten Thüringer HC, Buxtehuder SV, HSG Bensheim/Auerbach, VfL Oldenburg und Frisch Auf Göppingen.
Viel Zeit zum Feiern bleibt den Hauptstädterinnen allerdings nicht. Bereits am kommenden Wochenende wartet das nächste Highlight: Am Samstag empfangen die Füchse den Tabellenführer SG Nürtingen-Zizishausen in der Sporthalle Charlottenburg. Zu diesem Topspiel veranstalten die Berlinerinnen einen 1 Euro Spieltag: alle Zuschauer mit einem grünen Oberteil bezahlen nur 1 Euro Eintritt. Damit möchten die Füchse Frauen den Handball für alle erlebbar machen und Menschen zusammenbringen.
HCR: Schutrups, Schneider, Rossignoli; Kastner 1, Huth, Meersteiner 2, Ott 2, Foley 1, Dekker 1/1, Davenport 2, Alderden 8, Frankova 4, Thun, Grießer 1, Holste 8, Ronge
Füchse: Trooster, Hacker; Rønningen, Conze 10, Nagel 2, Gouveia, Stefes 2, Thelemann, In de Braekt, Schaube 4, Penzes, Nieuwenweg 9/5, Werle, Baßiner 4