Foto: Vincent Brosow
Was für ein Handball-Krimi in der Sporthalle Charlottenburg. Vor knapp 1.400 begeisterten Zuschauern lieferten sich die Füchse Berlin und die SG Nürtingen-Zizishausen am 5. Spieltag der 2. Alsco Handball Bundesliga Frauen einen packenden Schlagabtausch. In einer Partie, die alles bot, was ein echtes Spitzenspiel ausmacht – zahlreiche Tore, eine fantastische Atmosphäre und Spannung bis zur letzten Sekunde –, erkämpften sich die Berlinerinnen ein hochverdientes 36:36 (19:20).
Für das Duell des Tabellendritten gegen den Spitzenreiter musste Füchse-Trainerin Susann Müller weiterhin auf Kapitänin Lucy Gündel und Kreisläuferin Angela Cappellaro verzichten. Dafür stand Neuzugang Britt van der Baan erstmals im Kader der Berlinerinnen. Zudem erhielt das Team erneut Unterstützung von den beiden Jungfüchsinnen Mercy Hacker und Taya Nagel.
Die Gäste aus Baden-Württemberg erwischten den besseren Start ins Spitzenspiel und setzten die Berlinerinnen mit ihrem temporeichen Angriffsspiel früh unter Druck. Nach der 0:1-Führung bauten sie ihren Vorsprung bis zur vierten Minute auf 1:4 aus. Doch die Füchse ließen sich davon nicht beeindrucken. Alissa Werle verkürzte in der 6. Minute per Siebenmeter auf 3:4, ehe Jonna Schaube wenig später den 4:4-Ausgleich erzielte. In der Folge entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Nürtingen legte immer wieder einen Treffer vor, die Füchse fanden jedoch stets die passende Antwort. Beim Stand von 7:9 in der 13. Minute reagierte Susann Müller und brachte die erst 16-jährige Mercy Hacker für Danique Trooster zwischen die Pfosten. Eine Entscheidung, die sich schnell auszahlte: Nur kurze Zeit später glänzte die junge Torhüterin mit einer starken Parade, ehe Anouk Nieuwenweg den anschließenden Tempogegenstoß zum 10:10-Ausgleich in der 14. Minute verwandelte. Zur Mitte der ersten Halbzeit lagen die Gäste beim 10:11 weiterhin knapp vorne. Einige Unaufmerksamkeiten und technische Fehler im Berliner Spiel ermöglichten es Nürtingen jedoch, sich bis zur 20. Minute auf 11:15 abzusetzen. Müller sah sich gezwungen, ihre erste Auszeit zu nehmen, um ihre Mannschaft neu einzustellen. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Eine Überzahlsituation nutzten die Hauptstädterinnen konsequent, um den Rückstand von 13:16 auf 15:16 zu verkürzen. Auch eine kurz darauffolgende eigene Unterzahl überstanden die Füchse ohne weiteren Schaden und blieben beim 17:18 in Schlagdistanz. Anderthalb Minuten vor der Pause erhöhten die Gäste noch einmal auf 18:20, doch Alissa Werle sorgte mit ihrem bereits fünften Treffer für den 19:20-Halbzeitstand.
Auch nach dem Seitenwechsel blieb das Spitzenspiel hochklassig und intensiv. Nürtingen setzte von Beginn der zweiten Halbzeit an konsequent auf das Angriffsspiel mit der siebten Feldspielerinnen und hielt über die gesamten verbleibenden 30 Minuten an dieser taktischen Variante fest. Den besseren Start in Durchgang zwei erwischten diesmal die Berlinerinnen. Anaïs Gouveia glich mit dem ersten Füchse-Angriff zum 20:20 aus, ehe Anouk Nieuwenweg in der 35. Minute beim 22:21 für die erste Führung der Gastgeberinnen an diesem Nachmittag sorgte. Was folgte, war ein Duell auf Augenhöhe, in dem sich beide Mannschaften nichts schenkten. Jeder Treffer wurde umgehend beantwortet, die Führung wechselte mehrfach und keines der beiden Teams konnte sich entscheidend absetzen. In der 41. Minute lagen die Gäste beim 23:24 wieder knapp vorne.
Doch die Füchse hatten die passende Antwort parat. Nach einer weiteren starken Parade von Mercy Hacker nutzte Naomi Conze in der 44. Minute das Risiko des Nürtinger Überzahlspiels eiskalt aus: Mit einem Wurf ins verwaiste Gästetor brachte sie die Berlinerinnen unter dem lautstarken Jubel der Fans mit 26:25 in Führung. Auch in der Folge blieb die Partie völlig offen. Mitte der zweiten Halbzeit begegneten sich beide Mannschaften weiterhin auf Augenhöhe. In eigener Unterzahl gerieten die Füchse erneut mit einem Treffer in Rückstand, doch Naomi Conze übernahm Verantwortung und hämmerte den Ball in der 51. Minute aus dem Rückraum zum 30:30-Ausgleich ins Netz. Kurz darauf rückte Danique Trooster im Berliner Tor in den Mittelpunkt, als sie einen Strafwurf der Gäste entschärfte. Susann Müller nutzte die Gelegenheit und legte die grüne Karte, um ihre Mannschaft auf die entscheidende Schlussphase einzustellen. Selbst eine anschließende Zeitstrafe gegen die Berliner Bank brachte die Füchse nicht aus dem Konzept. Beim Stand von 32:32 ging es in die letzten fünf Minuten. Die Schlussphase sollte an Dramatik kaum zu überbieten sein. Nürtingen hielt weiter am 7:6-Angriffsspiel fest und schien dreieinhalb Minuten vor dem Ende beim 32:34 auf die Siegerstraße einzubiegen. Doch die Füchse bewiesen einmal mehr Moral. Leoni Baßiner und Jonna Schaube sorgten innerhalb von nur einer Minute für den erneuten Ausgleich. Als Alissa Werle mit ihrem siebten Treffer zum 35:35 einnetzte und zusätzlich eine Zeitstrafe gegen die Gäste herausholte, stand die Sporthalle Charlottenburg endgültig Kopf. Doch selbst in Unterzahl gelang es Nürtingen, erneut in Führung zu gehen. 21 Sekunden vor dem Ende griff Susann Müller zu ihrer letzten Auszeit. Ein letzter Angriff, eine letzte Chance auf den Punktgewinn. Die Berliner Trainerin gab ihrer Mannschaft den entscheidenden Spielzug mit auf den Weg. Und ihre Spielerinnen setzten ihn perfekt um: Leoni Baßiner behielt die Übersicht und fand die freistehende Jonna Schaube am Kreis. Die ließ sich die Chance nicht nehmen und versenkte den Ball zwei Sekunden vor der Schlusssirene zum 36:36-Endstand.
Nach dem Abpfiff zeigte sich Füchse-Trainerin Susann Müller zufrieden mit der Leistung ihrer Mannschaft und der Unterstützung von den Rängen: „Ein echtes Spitzenspiel! Ich bin stolz auf meine Mannschaft, wie wir vor allem in der zweiten Halbzeit gegen das 7:6 von Nürtingen verteidigt haben. Am Ende ist es eine gerechte Punkteteilung. Ein großes Dankeschön an das Publikum, das uns heute nach vorne gepusht hat.“
Durch das Unentschieden nehmen die Hauptstädterinnen der SG Nürtingen-Zizishausen den ersten Punkt der laufenden Saison ab. Nach fünf Spieltagen stehen die Füchse mit 8:2 Punkten auf dem 5. Tabellenplatz und bleiben damit in der Spitzengruppe der 2. Alsco Handball Bundesliga Frauen.
Am kommenden Samstag wartet die nächste Herausforderung auf die Berlinerinnen. Dann reisen die Füchse zum Auswärtsspiel nach Leverkusen.
Füchse: Trooster, Hacker; Rønningen, Conze, Nagel, Gouveia, Stefes, Thelemann, van der Baan, In de Braekt, Schaube, Penzes, Nieuwenweg, Werle, Baßiner
SG: Leenen, Sander; Fischer, Jaron, Wieder 1, Bühler, Nusser, Erhardt 2, Seeger 8, Luber 6/1, Dreizler 2, Fuchs 9/2, Distel 6, Treusch, Natalello 1